HINTER DEN KULISSEN Vorstandsvorsitzender Jürgen Otto möchte die Heidelberger Druckmaschinen AG konsequent vom Maschinenbauer zum Technologieunternehmen und Systemintegrator weiterentwickeln, ohne dabei die Identität als Weltmarktführer im Druckmetier zu vernachlässigen. Das wird beim Rundgang am Standort Wiesloch‑Walldorf deutlich.

Joachim „jogi“ Klaehn ist Journalist und in der Metropolregion Rhein-Neckar vielseitig unterwegs.

 

Komplexe Wirklichkeit: An vielen Ecken am Gutenbergring treffen Besuchende wie Mitarbeitende auf Erinnerungsstücke und Botschaften, die für die Firmengeschichte von HEIDELBERG stehen. Ob links vom Empfangsbereich im Bürogebäude 42 das Kunstwerk mit der Zahl 175, die aus Faltschachteln mit Blumenmotiven besteht. Ob in der zentralen Montagehalle 6, in der auf einem großen Banner die Entwicklung von der mechanischen Druckmaschine von 1975 bis hin zur vollautomatisierten, digitalisierten Nachfolgeversion von 2026 plakativ skizziert wird. Ob im stylischen Print Media Center (PMC), dem „Home of Print“, in dem der Leitspruch „Unfold your potential“ (entfalte dein Potenzial) auf aufgereihten Druckbögen über den Köpfen hängt. – Es sind Sinnbilder für die Bedeutung, aber auch den Veränderungswillen und die Anpassungsfähigkeit des Weltmarktführers.

Konzernchef Jürgen Otto (61) spricht gerne über die „Champions League der Industrie“, in der sich HEIDELBERG bewege und man sich mit Spitzenleistungen permanent empfehlen müsse. „Am Ende des Tages müssen wir Ergebnisse liefern“, sagt der Vorstandsvorsitzende bei der Jahresbilanz-Pressekonferenz. Vor dem Hintergrund eines anspruchsvollen Marktumfelds hat der „FC Bayern der Druckmaschinenhersteller“ seine Entwicklung im vergangenen Geschäftsjahr auf stabilem Niveau gehalten. Der Umsatz liegt im Berichtszeitraum bis Ende März mit 2,29 Milliarden Euro leicht über dem Vorjahreswert (2,28), was das Kleinwerteindex SDax-Unternehmen unterm Strich 15 Millionen Euro im Ergebnis nach Steuern verdienen lässt. Immerhin ist dies eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr (fünf Millionen) von 200 Prozent. Einerseits sinkt der Auftragseingang im vergangenen Jahr um rund 190 Millionen Euro auf 2,25 Milliarden Euro, andererseits bedeuten Einsparungen beim Personal und andere Effizienzmaßnahmen, dass das Gesamtresultat gestützt und von einer Konsolidierung gesprochen werden kann.

Jürgen Otto im Gespräch mit econo.

Jürgen Otto im Gespräch mit econo. Alle Bilder: Cheesy.Photo

Der Personalabbau sorgt gerade im regionalen Umfeld für Diskussionen. 550 Aufhebungsverträge sind bis dato unterschrieben. In Deutschland sinkt die Beschäftigtenzahl von knapp 6.150 auf rund 5.900 Personen, weltweit weist HEIDELBERG im letzten Geschäftsjahr noch 9.065 Mitarbeitende (Vorjahreswert rund 9.300) aus. Kostenreduktionen sind laut Otto alternativlos – die volatile Weltmarktsituation und erhebliche Standortnachteile in Deutschland engen die Handlungsspielräume maßgeblich ein. „Wir haben im internationalen Vergleich in Deutschland mit die schwierigsten Standortfaktoren“, konstatiert Jürgen Otto mit Blick auf hohe Herstellungs- und Energiekosten, Demografie, steuerliche Belastungen und exzessive Bürokratie, „die Grundsatzfragen lauten: Was können wir uns in Deutschland wirtschaftlich noch leisten? Und was müssen wir dafür tun, um wettbewerbsfähig zu bleiben?“ Man müsse sich nämlich „global einem sehr harten Preiskampf stellen“, so Otto gegenüber econo.

Herausforderungen als Antrieb

Solche ganzheitlichen Herausforderungen treiben den studierten Betriebswirtschaftler Jürgen Otto an. „Es reizt mich sehr, darauf Antworten zu finden“, sagt er lakonisch. Der gebürtige Würzburger gilt als erfahrener Manager und Sanierer. Den Großteil seiner beruflichen Vita hat er beim Automobilzulieferer der Brose Gruppe zugebracht. Dort ist Jürgen Otto vom Logistikplaner bis zum Vorsitzenden der Geschäftsführung aufgestiegen und hat Erfolge gefeiert: Zuvorderst im Automotive-Bereich des oberfränkischen Familienunternehmens, aber eben auch mit Bambergs meisterlichen gleichnamigen Brose-Basketballern, die über Jahre hinweg als Brose Bamberg Erfolgsgeschichte in „Freak City“ schrieben.

Ein Blick in die Hallen von HEIDELBERG.

Ein Blick in die Hallen von HEIDELBERG.

Otto verkörpert seit 1. Juli 2024 als Erneuerer und Ermöglicher smarte Strategie, globales Denken und hohe Ansprüche, die zum Selbstverständnis und Selbstbewusstsein eines „Champions“ im 176. Jahr seines Bestehens und seiner Präsenz in 170 Ländern gehören. Er ist überzeugt von der Kraft der Marke HEIDELBERG, vom gemeinsam definierten Zukunftsplan, von den Prinzipien der Kostendisziplin und Effizienz, welche finanzielle Freiräume schaffen und eine solide Wettbewerbsfähigkeit sichern sollen. „Driving High Tech“ heißt die Maxime, die für das Kerngeschäft mit den Druckmaschinen sowie den Aufbau neuer Geschäftsfelder gilt. Von der These eines strategischen Kurswechsels distanziert sich Jürgen Otto: „Unsere Herangehensweise ist vielmehr die Nutzung unseres vielfältigen Know-hows, unserer Ressourcen und Kapazitäten für ein zweites Standbein – wir können viel mehr als Druckmaschinen!“

Die schöne neue Welt von „Heideldruck“ ist kundenorientierter, digitaler und komplexer geworden. Stabiles Kerngeschäft, Dual-Use-Ansatz als Mittel für strategische Diversifikation, Effizienz in der Kostenentwicklung, starke Partnerschaften sowie die Vertiefung des Wachstumssegments HEIDELBERG Technology sollen als Richtlinien etabliert werden – und zu mehr Ruhe in stürmischen geopolitischen Zeiten führen.

Erlebbare Veränderung

Kontinuität und Wandel sind bei einer „Tour de HEIDELBERG“ unmittelbar erlebbar. Im „Home of Print“ schlägt das Herz des Unternehmens: Das Print Media Center versteht sich als integrierter Innovationshub, in dem Software, Anwendungen sowie Druck- und Weiterverarbeitungstechnologien nahtlos ineinandergreifen.

Home of Print - das ist nur eine Sparte von HEIDELBERG.

Home of Print – das ist nur eine Sparte von HEIDELBERG.

Ein Blick in den Verpackungsdruck zeigt, wie stark sich industrielle Produktionsprozesse verändert haben. Die Boardmaster, eine hochautomatisierte Rollen-Flexodruckmaschine, steht für Effizienz auf neuem Niveau. Die Anzahl der Druckwerke richtet sich flexibel nach dem jeweiligen Produkt. Mit Bahngeschwindigkeiten von bis zu 600 Metern pro Minute und nahezu unterbrechungsfreiem Betrieb lassen sich hohe Durchsätze realisieren. „Der fliegende Jobwechsel ermöglicht es, Druckzylinder-Sleeves mit der Druckvorlage im laufenden Betrieb vorzubereiten und zu wechseln“, sagt Tobias Laubmann, Abteilungsleiter im Print Media Center. Grundlage ist das System Intellimatch, bei dem die Topographie jedes Sleeves digital vermessen und hinterlegt wird – Auftragswechsel erfolgen so nahezu ohne Makulatur.

Auch im wachsenden Etikettendruck setzt HEIDELBERG auf durchgängige Prozesse. Die Gallus One verbindet digitalen Inkjetdruck mit integrierter Weiterverarbeitung – vom Druck über Veredelung bis zur Wiederaufwicklung. Ein modulares Maschinenkonzept ermöglicht die flexible Kombination verschiedener Druck- und Veredelungstechnologien und schafft damit hohe Anpassungsfähigkeit bei gleichzeitig optimierten Betriebskosten.

econo erhält detaillierte Einblicke in die Produktion.

econo erhält detaillierte Einblicke in die Produktion.

Im Werbedruck gewinnt der industrielle Inkjet weiter an Bedeutung. Die Vorteile: keine Makulatur, keine Druckplatten, hohe Geschwindigkeit sowie Inline- und Nearline-Finishing-Optionen. Mit der Jetfire 50 hat HEIDELBERG eine digitale Inkjet-Lösung auf den Markt, die diesen Anforderungen gerecht wird und industrielle Produktivität mit hoher Prozessstabilität verbindet. Besonders stark ist die Jetfire 50 in hybriden Produktionsumgebungen in Kombination mit dem Offsetdruck: Einheitliches Farbmanagement, zentrale Datenaufbereitung über Prinect sowie eine integrierte Workflowsteuerung sorgen dafür, dass Offset- und Digitaldruck ohne Qualitätsverluste zusammenspielen. Mit der neuen Software Prinect Touch Free wird dieser Ansatz weiterentwickelt – Aufträge werden automatisiert analysiert, gebündelt und auf den jeweils effizientesten Produktionspfad gesteuert.

Mit der Jetfire 75, die bereits in den Startlöchern steht, skaliert HEIDELBERG diese industrielle Digitaldruckproduktion weiter. Die Installation im „Home of Print“ ist für den Herbst dieses Jahres geplant.

Gleichzeitig bleibt der klassische Offsetdruck ein zentraler Bestandteil der industriellen Produktion – insbesondere bei hohen Auflagen und als integraler Bestandteil hybrider Produktionskonzepte.

Kooperation mit Kanadiern

Im strategisch wichtigen Verpackungsbereich entwickelt sich HEIDELBERG zunehmend zum End-to-End-Systemintegrator. „Packaging Solutions“ gelten als wichtiger Wachstumstreiber, da die Branche weiterhin in Automatisierung und Effizienz und nachhaltigere Verpackungen investiert. Auf der interpack 2026 in Düsseldorf unterstrich das Unternehmen seine Ausrichtung als Systemintegrator entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der Verpackungsproduktion. Im Fokus stehen insbesondere industrielle Anwendungen im Faltschachtelsegment. „Die Anforderungen unterscheiden sich deutlich vom klassischen Druck“, so Laubmann.

Tobias Laubmann, Abteilungsleiter im Print Media Center, zeigt bekannte Produktverpackungen, die am Standort produziert werden.

Tobias Laubmann, Abteilungsleiter im Print Media Center, zeigt bekannte Produktverpackungen, die am Standort produziert werden.

Ein Baustein ist die auf der Messe präsentierte Kooperation mit dem kanadischen Unternehmen Pack‑Smart. Dessen Inkjet-Technologie ermöglicht die Inline-Serialisierung und Kennzeichnung von Verpackungen, etwa durch individuelle QR-Codes. Dadurch wird jedes Produkt eindeutig identifizierbar, was Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Produktsicherheit verbessert. Das ist insbesondere für Anwendungen in der Kosmetik, im Pharmabereich sowie bei Markenprodukten in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie relevant.

Neben aller technologischen Präzision bietet das „Home of Print“ auch ein besonderes Besuchererlebnis. Auf rund 9.000 Quadratmetern werden reale Produktionsszenarien unter Praxisbedingungen gezeigt. Eine Tribüne mit Großleinwand mitten im Maschinenpark ermöglicht direkte Einblicke in laufende Prozesse und schafft eine einzigartige Nähe zur Produktion. So wurden beispielsweise im Vorfeld der Fußball-WM 4.500 Turnierpläne auf einer Speedmaster XL 106 produziert – 3.000 in Deutsch und 1.500 in Englisch.

Läuft ...

Läuft …

Beim Blick hinter die Kulissen lässt sich der Transformationsprozess an den Produktionsstätten festmachen. Siehe in Halle 6, 1987 als zentrale Montagehalle erbaut. Die „Sechs“ ist mit Abstand das größte Gebäude auf dem weitläufigen 86-Hektar-Gelände. Ein Raumwunder von rund 74.500 Quadratmetern (Länge 620, Breite 120 Meter). „Wir verdichten hier massiv unseren Produktionsfußabdruck“, sagt Markus Pfrang, Leiter Logistik im Werk Wiesloch-Walldorf. Seit 30 Jahren ist Pfrang bei HEIDELBERG beschäftigt, er kennt jeden Winkel der monströsen Halle, die peu à peu bis Sommer nächsten Jahres umgestaltet wird. Alle Fertigungs- und Montagefunktionen werden unter einem Dach gebündelt und entlang eines durchgängigen Workflows von Nord nach Süd integriert– mit den Subkategorien Logistik, Fertigung, Baugruppen- und Endmontage. „Zu unseren Kernkompetenzen zählen Präzision, Qualität, Null-Fehler-Prinzip und der Umgang mit schweren Lasten“, so Pfrang.

Moderne Gießerei in Amstetten

Im schwäbischen Amstetten, 30 Kilometer von Ulm entfernt, steht die Gießerei von HEIDELBERG, eine der modernsten ihrer Art Europas. Ob Grauguss oder Stahlelemente – tonnenschwere Teile können im Industriegebiet Egelsee produziert und über Lkws oder das Schienenwerk der Deutschen Bahn transportiert werden. Die Schwerlastkräne in Halle 6 können problemlos Druckmaschinen oder auch Geräte aus dem Defense-Bereich heben. Auf einem u-förmigen Montageband werden Lager und Zylinder eingepasst. Elektronik und Pneumatik dominieren. Elektronische Schaltschränke werden an den High-Tech-Druckmaschinen installiert, die dazugehörige Software hat das Unternehmen selbst entwickelt. Ähnliches gilt für betriebseigene Testbausysteme. „Dadurch halbiert sich die Zeit für die Inbetriebnahme der Maschinen beim Kunden“, weiß Markus Pfrang. Eine Fahrschule für Gabelstapelfahrer samt Parcours rundet die Szenerie ab.

Ein wahrer Blick "hinter die Kulissen"...

Ein wahrer Blick „hinter die Kulissen“…

In der benachbarten Halle 9 befindet sich die Elektronikproduktion von HEIDELBERG. Hier werden Leiterplatten bestückt, Schaltschränke mit Leistungselektronik für Antriebe bis zu 240 Kilowatt und Steuerungssoftware ausgestattet. Im ersten bekanntgegebenen Defenseprojekt des Konzerns im Jahr 2025 mit dem Zulieferer und Energieregelungsspezialisten Vincorion sei dies von Tragweite gewesen. „Unsere Kompetenz ist der Schaltschrankbau. Vincorion war und ist von unserem Know-how als Produktionsdienstleister und Industrialisierungspartner überzeugt“, sagt Marcus Siebig, Leiter des Produktionsbereichs Elektronik-Produktion.

Ein anderes Leistungsfabrikat ist die DC‑Ladesäule, die im Bereich Elektromobilität für PKW und LKW über das HEIDELBERG-Tochterunternehmen Amperfied als modular skalierbares Gleichstrom‑Schnellladesystem angeboten werden soll. „Die Ladetechnik stellt kein Problem mehr dar“, so Siebig, der den Ausbau der Ladetechnik und die Fortführung der Defense-Aktivitäten ebenfalls als geeignete Geschäftsfelder erachtet. Momentaufnahme: Einer seiner Mitarbeiter legt den Drehmomentschlüssel an, Handarbeit ist gefragt. Jede Schraube muss festsitzen und wird von einem digitalen Überwachungssystem kontrolliert.

Neue Wege mit Drohnen und unbemannten Landfahrzeug

Wie technologisch breit HEIDELBERG aufgestellt ist, zeigt das Defensegeschäft. Im April gründeten HEIDELBERG mit seiner Tochtergesellschaft HD Advanced Technologies und der amerikanisch-israelische Drohnenentwickler ONDAS ein Joint-Venture mit Namen ONBERG, das seinen Sitz am HEIDELBERG-Standort Brandenburg an der Havel hat (econo berichtete). HD Advanced Technologies hält daran 49 Prozent der Anteile. Im Rahmen der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin im Juni hat ONBERG eine Absichtserklärung mit der ukrainischen Luftfahrt-Produktionsholding Skyeton unterschrieben. Mit dem Pilotprojekt der Aufklärungsdrohne Raybird UAS (Unmanned Aircraft System) von Skyeton ist die erste Duftmarke gesetzt. Werksangaben zufolge hat sie eine Flugdauer von 28 Stunden und eine Reichweite bis zu 2.500 Kilometern. Perspektivisch sollen am ONBERG-Standort in Brandenburg autonome Drohnenabwehrsysteme zum Schutz kritischer Infrastruktur vertrieben, industrialisiert und in Serienfertigung überführt werden.

Einblicke in das Innenleben einer Elektrozapfsäule.

Einblicke in das Innenleben einer Elektrozapfsäule.

Ebenfalls zum Schutz von kritischen Infrastrukturen des militärischen wie zivilen Sektors und zur Aufklärung hat HEIDELBERG ein unbemanntes Landfahrzeug (UGV) entwickelt und einen Prototypen gebaut. Ein Team von Heidelberg Advanced Technologies hat es zwischen Juli und Dezember 2025 mit „Pioniergeist“ entwickelt. „Wir wollen Skalierungspartner für die Defense-Industrie sein und suchen gezielt nach Kooperationspartnern“, berichtet Michael Wellenzohn, CEO der HD Advanced Technologies GmbH. In Halle 11 demonstriert das tarngrüne, als Transporter ausgelegte Fahrzeug seine hohe Agilität und Leistungsfähigkeit im Fahrbetrieb. „Beim UGV wurden viele Komponenten aus der Druckmaschinentechnik verwendet“, ordnet Projektleiter Thomas Weis den Piloten ein, der in der Architektur der europäischen Verteidigung und genauso bei Hilfsorganisationen, Rettungskräften (THW, Feuerwehr) und Institutionen des Katastrophenschutzes zum Einsatz kommen könnte.

Das unbemannte Fahrzeug verfügt über die Steuereinheit eines digital verbauten SCU-Hauptrechners, der wiederum die beiden Elektromotoren antreibt. Unimog-Räder verleihen dem Gefährt ein bulliges Aussehen. Die Reichweite liegt bei 200 Kilometern – in einer knappen Stunde seien die 80-KW-Batterien vollständig, in 30 Minuten bis zu 80 Prozent aufgeladen. Geplant sind schon die nächsten fünf Prototypen.

Wenige Meter vom UGV entfernt steht ein Kernthema der E‑Mobilität auf der Agenda: das Ziel einer maximalen Ladepunkt-Verfügbarkeit. Robin Karpp, Geschäftsführer von Amperfied, einer weiteren Tochter von HEIDELBERG, hebt die strategische Weiterentwicklung von leistungsfähigen Ladeinfrastrukturen hervor. Amperfied nutzte Ende Juni die Plattform der Messe Power2Drive Europe 2026 in München, um das neue Geschäftsmodell mit einem skalierbaren End-to-End-Leistungsportfolio vorzustellen. Amperfied kümmert sich dabei um Planung und Installation sowie Service und Betriebsführung. Man tritt als Performance-Partner in Erscheinung, bietet interessierten Kunden ein Vertragskonzept inklusive Ratenzahlungen an, das üblicherweise einen Zeitkorridor von sechs bis zehn Jahren abdeckt. „Ein Schnellladepunkt ist im Grunde technologisch nichts anderes als ein Schaltschrank“, erklärt Karpp.

Starkes Team.

Starkes Team.

Mit der SAP, Siemens Energy, einigen Banken, Logistik-Unternehmen, Energieversorgern und Gastronomieketten kann Amperfied inzwischen auf namhafte Referenzkunden setzen. Zwei Versionen zeigen Robin Karpp und Marketingkollegin Lena Heid: Den Einzelladepunkt (für zwei Fahrzeuge) oder ein Verteilsystem (12 Fahrzeuge). DC-Ladesäulen haben reichlich Power – bis zu einem Spektrum von 480 KW/h kann Amperfied anbieten. „Es ist ein zukunftsfähiges Geschäftsfeld, dass einfach zu uns passt“, meint Karpp. 2012 hatte HEIDELBERG damit angefangen, Komponenten für Ladekabel an den VW-Konzern zu verkaufen, seit 2018 stellt das Unternehmen einfache Wechselstrom-Wallboxen eigenständig her.

Aktuell verantwortet Amperfied bereits den Betrieb von mehr als 2.000 Ladepunkten bei namhaften Unternehmenskunden. Perspektivisch sei – abhängig von der jeweiligen Standortplanung – ein Ausbau im Bestand auf bis zu 4.000 Ladepunkte realistisch, wie Robin Karpp ausführt. Und: „Wir ermöglichen es unseren Kunden, selbst als Ladepunktbetreiber aufzutreten“, sieht Karpp optional weiteren Mehrwert für die Kundschaft. Der Service von Amperfied macht’s möglich. Man sei unabhängig vom Hardware-Hersteller als Systemintegrator und mit dem Leistungsversprechen eines Vertrags als „Dienstleister im Verborgenen“ kundenorientiert aktiv.

High-Tech-Campus für Zukunftssicherung

„Open for Innovation“ heißt es im 2018 eröffneten Innovationszentrum. In der ehemaligen Produktionshalle 10, baugleich zur Halle 6, jedoch etwas kleiner, befindet sich das modernste Forschungs- und Entwicklungszentrum der grafischen Industrie. Rund 1.000 Mitarbeitende haben in diesem „Think tank“ und Labor der Drucktechnologie ihren Arbeitsplatz. Großzügige Büros mit rollstuhlgerechten Zugängen und höhenverstellbaren Schreibtischen sowie unterschiedlich große Meetingräume mit Schallschutz sind Standard. Die insgesamt 13 symmetrisch angeordneten Quartiere verfügen über Autarkie und eigene Sozialbereiche. In der Mitte befindet sich das Atrium, bestehend aus Cafeteria, Treffpunkten und dem größten zentralen Besprechungsraum. „Die Kommunikation unter den Mitarbeitenden soll ausdrücklich gefördert werden. „Dadurch entsteht eine enge und wirkungsvolle Zusammenarbeit“, sagt Markus Winter, Projektleiter Entwicklung, der zuvor 23 Jahre lang im Servicebereich tätig war.

E-Zapfsäule in Betrieb.

E-Zapfsäule in Betrieb.

Der High-Tech-Campus ist nicht nur eine Innovationsschmiede. Nein, er symbolisiert den digitalen Transformationsprozess, den Ausbau der Technologieführerschaft mithilfe von über 1.000 hochqualifizierten Fachkräften und die Zukunftssicherung des Weltmarktführers. Die Kunst des Erfindens und des Sich-ständig-neu-Erfindens von HEIDELBERG hat hier eine Heimat gefunden. Kluge Köpfe prägen Forschung und Entwicklung. Mit ausgeprägtem Fachwissen und intellektueller Neugierde wird auch an Spezialthemen getüftelt – die in den danebenliegenden Flächen, Laboren und Reinräumen getestet und umgesetzt werden. Anlagen und Equipment soweit das Auge reicht: Der digitale Zwilling der Druckmaschine, klimatische Umweltsimulation, Prüfstationen und -geräte, um den Digitaldruck und Tintensorten zu analysieren, ein kleines Robotik-Labor, ein Eldorado für den 3D-Druck mit Modellen wie etwa eine weiße 3D-Drohne. Innovationszentrum, Produktionsstätten und repräsentatives Kundenzentrum bilden eine Trias. Ein Sinngefüge. Ein Gesamtkunstwerk der Kompetenzen. Immer darum ringend, die Balance zwischen Erfindergeist und Effizienz zu finden.

„Bei meinem ersten Besuch am Standort, war sofort klar: Hier steckt enormes Potenzial. Diese technologische Stärke und Kompetenz gilt es gezielt weiterzuentwickeln und in neue Geschäftsfelder zu übertragen. Schließlich gibt es nur wenige Weltmarktführer in Deutschland, die auf eine so lange Tradition zurückblicken und zugleich in rund 170 Ländern präsent sind“, erinnert sich Chef Jürgen Otto. Seit knapp zwei Jahren treibt Otto die Strategie von HEIDELBERG voran und setzt den eingeschlagenen Kurs mit den rund 9.000 Mitarbeitenden konsequent um.

New Work Area: Aufenthaltsqualität schafft ein gutes Arbeitsumfeld.

New Work Area: Aufenthaltsqualität schafft ein gutes Arbeitsumfeld.

Ottos Mission gleicht einer Herkulesaufgabe – er weiß das. Mit Blick auf die kommenden Jahre benennt Jürgen Otto drei zentrale Handlungsfelder – erstens: „Marktanteil und globale Präsenz bilden die Grundlage für nachhaltige Profitabilität. Das zeigt auch die gerade angekündigte Integration des Vertriebs- und Servicegeschäfts von manroland sheetfed mit einer weltweiten Kundenbasis von über 3.000 Nutzern. Das Druckgeschäft wird noch über viele Jahre bestehen, wirtschaftlich attraktiv bleiben und den Kern unseres Handelns bilden.“

Zweitens: Die Kombination aus hybrider Druckproduktion im Akzidenzdruck, dem dynamisch wachsenden Verpackungssegment sowie Aktivitäten im kostenoptimierten Low-Cost-Bereich stärkt die Resilienz des Geschäfts – auch im Hinblick auf die Beschäftigungssicherheit am Standort Deutschland.

Drittens: „Wir wollen in allen Bereichen ein attraktiver Arbeitgeber sein und damit die Marke HEIDELBERG als starke Institution weiter festigen.“

Seit 1850 steht HEIDELBERG für ausgeprägte Innovationskraft. Marktveränderungen werden als Chancen verstanden – und in konkrete, lösungsorientierte Entwicklungen übersetzt. Mit wachsender Komplexität steigt dabei der Anspruch – und zugleich der Mehrwert. Je komplexer, desto besser – denkt sich der econo-Reporter nach intensiven Impressionen …

Hintergrund

Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist ein führendes Technologieunternehmen, das seit 176 Jahren für Innovationskraft, Qualität und Zuverlässigkeit im Maschinenbau steht. Als Gesamtanbieter und Systemintegrator treibt HEIDELBERG die Weiterentwicklung in den Kernbereichen Verpackungs- und Digitaldruck, Softwarelösungen und dem Lifecycle-Geschäft mit Service und Verbrauchsmaterialien voran. Das global ausgerichtete Unternehmen mit seinen rund 9.000 Mitarbeitenden setzt auf den Ausbau neuer Geschäftsfelder, insbesondere in den Bereichen Defense und kritische Infrastruktur, Energie, Ladeinfrastruktur und industrielle Systemlösungen. Die Wurzeln von HEIDELBERG liegen in Frankenthal/Pfalz. Dort wurde das Unternehmen am 11. März 1850 als Glockengießerei Hemmer, Hamm & Co. gegründet.