OPHTHALMOLOGIE Volker Geuder hat die Geuder AG über sechs Jahrzehnte geprägt. Sein Sohn David führt das Heidelberger Familienunternehmen heute in dritter Generation. Ihre Nachfolge war nicht geplant – aber sie beruht auf einem Zusammenspiel aus Loslassen, Respekt und einem kompromisslosen Qualitätsanspruch.

Katja „kaba“ Bauroth liebt es, Menschen zu treffen und ihre Geschichten aufzuschreiben. Seit mehr als 30 Jahren tut sie das in Medienhäusern im DACH-Raum.

Zwei Unternehmer, zwei Generationen, Vater und Sohn: Volker und David Geuder sitzen in der Heidelberger Firmenzentrale an einem Tisch im hellen Konferenzraum. Zwischen dem 84-jährigen Aufsichtsrat und dem 28-jährigen CEO liegt mehr als ein halbes Jahrhundert Berufserfahrung – aber kein Machtgefälle. Was ihr Miteinander prägt, ist Vertrauen: in die Erfahrung des Vaters, in die Entscheidungen des Sohnes und in die Kraft eines Familienunternehmens, das seit 75 Jahren Augenlicht bewahren hilft. Die Geuder AG ist auf die Entwicklung und Produktion von augenchirurgischen Instrumenten, Gerätesystemen und biokompatiblen Flüssigkeiten spezialisiert.

„Geplant war es nicht“, sagen beide fast gleichzeitig zum Thema Nachfolgeregelung im Unternehmen. Man merkt schnell: Hier agieren abseits des familiären Esstisches zwei Menschen miteinander, die gelernt haben, einander zuzuhören, Verantwortung zu teilen und die Kompetenz des anderen gelten zu lassen.
Volker Geuder kam mit 16 Jahren in den Betrieb seines Vaters Hans Geuder senior. Gemeinsam mit seinem Bruder Hans junior baute er das Familienunternehmen über Jahrzehnte zu einem international agierenden Spezialisten der Augenchirurgie aus. David Geuder, der Betriebswirtschaftslehre in Heidelberg studiert hat, ist seit viereinhalb Jahren im Unternehmen. Mit 24 übernahm er die operative Verantwortung und führt die Geuder AG als CEO und Vorstandsvorsitzender in dritter Generation weiter.

„Ein Elfmeter ohne Torwart“ – eine große Chance

Der Schritt war keineswegs vorgezeichnet. „Meine Interessen galten eher dem Kreativen“, erzählt David Geuder. Er machte Musik, arbeitete als DJ und wollte zunächst nicht in die Fußstapfen von Vater, Onkel und Großvater treten. Natürlich sei die Firma immer Teil seines Lebens gewesen: In einer Unternehmerfamilie bleibe es nicht aus, dass beim Abendessen auch über die Firma gesprochen werde. Seine Eltern hätten ihm sogar abgeraten, in den Betrieb einzusteigen. Ein Unternehmen dieser Größe in einem hochregulierten, internationalen Medizintechnikmarkt zu führen, sei keine bequeme Erbschaft, sondern eine Verpflichtung.

Irgendwann aber stellte David Geuder sich die entscheidende Frage. Er habe gedacht, es sei „ein Elfmeter ohne Torwart“ – eine Chance, die er nutzen müsse. Das Unternehmen war erfolgreich, die Beziehungen zu Kunden und Chirurgen innerhalb Europas über Jahrzehnte gewachsen, die Innovationsprojekte angelegt. „Der Mittelstand ist der Motor Deutschlands“, sagt er und sein Vater nickt zustimmend. Wenn dieser Motor nicht mehr laufe, gehe es mit der Wirtschaft bergab. Genau das wolle er nicht, „das Feld China überlassen“, wie er es formuliert. „Made in Germany“ stehe doch für etwas, sei ein Qualitätsversprechen auf vielen Ebenen – und das müsse erhalten und ausgebaut werden. Trotz allem war es kein Einstieg in ein gemachtes Nest. Es bedeutete, Verantwortung für Mitarbeitende, Investitionen, Produkte und eine lange gewachsene Reputation zu übernehmen. Work-Life-Balance ist dabei ein Fremdbegriff. „Von nichts kommt nichts“, setzt Volker Geuder nach.

Familienbande: Karin und Volker Geuder sind stolz auf ihren Sohn David, der das Familienunternehmen weiterführt.

Familienbande: Karin und Volker Geuder sind stolz auf ihren Sohn David, der das Familienunternehmen weiterführt.

Schon während seiner Schulzeit und dann während des Studiums sammelte David Geuder praktische Erfahrungen im Unternehmen. Als er die Entscheidung traf, mit einzusteigen, wusste er, was ihn erwarten könnte. Volker Geuder wechselte 2023 nach seiner Vorstandstätigkeit in den sechsköpfigen Aufsichtsrat, dem auch Karin Geuder seit 1999 angehört, dem Zeitpunkt des Übergangs der Hans Geuder GmbH in eine Aktiengesellschaft. David Geuder übernahm eine Vorstandsposition. „Bei mir war es ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt er rückblickend – und ohne Reue. Volker Geuder beschreibt das Loslassen bemerkenswert nüchtern. Es sei ihm nicht schwergefallen, weil eine Übergabe nur funktionieren könne, wenn der Nachfolger tatsächlich Handlungsspielraum bekomme: „Wenn beide am Ruder sind, geht gar nicht.“
Dieser Satz ist mehr als eine Familienweisheit. Er ist die Grundlage für ein Verhältnis, in dem Respekt nicht bloß freundliche Geste, sondern Arbeitsprinzip ist. Volker Geuder schätzt an seinem Sohn dessen Entschlossenheit: Wenn David eine Entscheidung treffe, dann sei sie gründlich durchdacht und habe Hand und Fuß. David Geuder wiederum nennt den „nicht verhandelbaren Qualitätsanspruch“ seines Vaters als dessen größte Stärke, die alle Unternehmensbereiche stützt. Natürlich werde diskutiert, sagen beide. Eine gesunde Streitkultur sei wichtig – aber eine ohne Verlierer.

Anschauungsobjekt statt Papiertheorie

Was genau in diesem Familienunternehmen weitergegeben wird, zeigt Volker Geuder nicht mit einer Bilanz oder einem Organigramm. Er legt etwas Stift-ähnliches auf den Tisch. „Wissen Sie, was das ist?“, fragt er. Auf den ersten Blick wirkt es wie die Mine eines Kugelschreibers. „Das ist eine Schere, die bei Operationen am Glaskörper des Auges eingesetzt wird“, erklärt Geuder. Mit Daumen und Zeigefinger drückt er den vorderen Teil des Schaftes zusammen. Erst auf den zweiten Blick lässt sich an dessen Ende eine winzige Klinge ausmachen.
Solche Scheren werden im hinteren Augenabschnitt genutzt, um Membranen, feine Stränge oder vernarbtes Gewebe präzise zu schneiden. Dieses Exemplar ist 155 Millimeter lang und 23 Gauges fein. Damit gehört es zu den feinsten Instrumenten der vitreoretinalen Chirurgie. Die „Glaskörperschere n. HEIMANN“, so die offizielle Bezeichnung, entwickelte Geuder gemeinsam mit Professor Heimann; deshalb trägt sie seinen Namen. Sie steht für die Verbindung aus medizinischer Idee und feinmechanischer Umsetzung.
„Das ist so unser tägliches Brot: Feinheit, Gewissenhaftigkeit, Präzision“, sagt Volker Geuder. Es ist keine demonstrative Einführung in ein hochtechnisches Produkt. In wenigen Sekunden wird vielmehr sichtbar, worum es bei Geuder seit jeher geht: Im Operationssaal entscheiden nicht große Zahlen und laute Gesten, sondern Verlässlichkeit in einem Maßstab, der mit bloßem Auge kaum zu erfassen ist.

Alles begann in einer kleinen Werkstatt

Das Besprechungszimmer in Heidelberg-Rohrbach erzählt diese Geschichte weiter. An den Wänden hängen Urkunden und Zertifikate, darunter das Handwerkszertifikat von Hans Geuder senior. Der Firmengründer hatte das Handwerk der Chirurgiemechanik von Grund auf gelernt, die Söhne Hans junior und Volker ebenso. In den Vitrinen stehen Instrumente aus mehreren Jahrzehnten, daneben Produkte der Fluoron GmbH, der Schwesterfirma für hochreine, biokompatible Flüssigkeiten für die Netzhaut- und Kataraktchirurgie. Wer hier sitzt, versteht schnell: Dieses Unternehmen arbeitet in einer extrem spezialisierten Welt – und ist doch weit mehr als ein Instrumentenhersteller.

Die Geuder AG gehört heute zu den wenigen Komplettanbietern der Ophthalmochirurgie weltweit, David Geuder spricht von sechs Mitbewerbern in Europa. Mehr als 2.000 Produkte, vollständig in Deutschland entwickelt und produziert, decken Anwendungen im vorderen und hinteren Augenabschnitt ab: Präzisionsinstrumente, Geräteplattformen, Fluide und Gase für die Katarakt- und Netzhautchirurgie. In mehr als 150 Ländern sind Produkte aus Heidelberg im Einsatz. Die Kennzahlen sind groß, der Ton der beiden Unternehmer dagegen bescheiden zurückhaltend. Sie sprechen lieber über das, was ein Operateur in der Hand hält, als über die eigene Bedeutung im globalen Vergleich.

„Geuder ist ein familiengeführtes Medizintechnikunternehmen, das Präzision, Vertrauen und Innovation in der ophthalmologischen Chirurgie über Generationen verbindet“, formuliert Volker Geuder die Grundaussage. David Geuder verdichtet sie: „Wir erhalten Augenlicht.“
Der Weg dorthin begann 1951 nicht mit einer globalen Strategie, sondern in einer kleinen Werkstatt in Heidelberg-Handschuhsheim. Hans Geuder senior gründete damals die Firma „Hans Geuder“. Er hatte sich zuvor als Geselle, später als Meister und Ausbilder einen Namen in der Herstellung chirurgischer Instrumente gemacht. Seine Frau Juliane spielte dabei eine zentrale Rolle. Sie ging zu Chefärzten, Klinikdirektoren und niedergelassenen Ärzten, stellte die Arbeit ihres Mannes vor und bot Reparaturen an. Was zunächst mit dem Instandsetzen chirurgischer Instrumente begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu eigener Fertigung und schließlich zu einer Spezialisierung auf die Augenheilkunde.

Die Nähe zu Medizinern gehörte von Anfang an zur Arbeitsweise des Unternehmens. In der Ophthalmochirurgie ist sie bis heute unverzichtbar. Viele Geuder-Produkte tragen deshalb die Namen der Chirurgen, mit denen sie entwickelt wurden. Das sei bewusst auch eine Form der Anerkennung, sagt David Geuder. Manchmal komme ein Arzt mit einer klinischen Fragestellung, manchmal bringe Geuder einen Ansatz in den Dialog. Aus diesem Austausch entstehe ein Instrument, eine Lösung, gelegentlich auch ein gemeinsames Patent. Die Glaskörperschere n. HEIMANN, die beim econo-Gespräch auf dem Tisch liegt, ist dafür ein präzises Sinnbild.

Heidelberg als passende Basis des Unternehmens

Dass Heidelberg für diese Geschichte der richtige Ort war, hat mit der medizinischen Tradition der Stadt zu tun. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, kurz DOG, wurde hier gegründet und gilt als älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt. Als die DOG 1957 ihr 100-jähriges Bestehen mit ihrer 62. Jahrestagung in Heidelberg beging, präsentierten Hans Geuder senior und Hans Geuder junior dort ihre ophthalmochirurgischen Präzisionsinstrumente. Es war ein früher Moment öffentlicher Sichtbarkeit in einer Fachwelt, die das Unternehmen fortan prägen sollte.
Die Geschichte von Geuder verlief parallel zur rasanten Entwicklung der Augenchirurgie. In den 1960er-Jahren nahm die Mikrochirurgie Fahrt auf. Immer feinere Instrumente wurden gebraucht; Fortschritte bei Hornhauttransplantationen, Netzhautoperationen und der Behandlung des Grauen Stars verlangten neue Formen, Materialien und Fertigungstechniken. Geuder wuchs mit diesen Anforderungen. 1971 zog das Unternehmen nach Heidelberg-Rohrbach, in ein größeres und moderneres Gebäude. Die Werkstatt war längst zu klein geworden.
In den 1980er-Jahren kam eine zweite Entwicklungslinie hinzu: Aus der feinmechanischen Instrumentenkompetenz heraus entstanden eigene Gerätesysteme. Für die Kataraktchirurgie entwickelte Geuder Steuer- und Absaugsysteme, später folgten Lösungen für die Netzhaut- und Glaskörperchirurgie. 1992 brachte das Unternehmen mit dem MEMOTRON ein System auf den Markt, das für den vorderen wie für den hinteren Augenabschnitt eingesetzt werden konnte. 1995 folgte das MEGATRON. Damit wurde aus dem traditionsreichen Instrumentenhersteller endgültig ein Anbieter komplexer OP-Technik.

Ein weiterer Meilenstein war 1996 die Übernahme der Fluoron GmbH in Neu-Ulm. Sie erweiterte das Spektrum um hochreine Biomaterialien und Flüssigkeiten für die vitreoretinale Chirurgie. Die Kombination aus Instrumenten, Geräten und Fluiden machte Geuder zu einem Anbieter, der den gesamten chirurgischen Ablauf im Blick hat – nicht nur das einzelne Werkzeug.

1989 hatten Hans junior und Volker Geuder den Betrieb ihres Vaters übernommen: Hans junior als kaufmännischer, Volker als technischer Geschäftsführer. Volker Geuder prägte die Firma in der Folgezeit wesentlich. Er kennt Produkte bis in ihre Details und kennt ebenso die Menschen, die sie einsetzen. Wenn er von Chirurgen spricht, dann nicht in Marktsegmenten, sondern mit Namen, Geschichten und Erinnerungen an gemeinsame Entwicklungen.

Namhafte Mediziner von Weltneuheit VIVOS begeistert

Vielleicht erklärt gerade dieser direkte Blick auf den Anwender, warum der jüngste Entwicklungsschritt des Unternehmens so deutlich ausfällt. Die neue Geräteplattform VIVOS verbindet Katarakt- und Vitrektomiechirurgie in einem System. Sie soll den Druck im Auge während des Eingriffs automatisch stabil halten, Arbeitsschritte vereinfachen und mit einer besonderen Lichttechnik Strukturen im hinteren Augenabschnitt besser sichtbar machen. Die Plattform arbeitet mit einer unvorstellbaren Vielzahl an LED-Spektren, die sich präzise kombinieren lassen. Was technisch komplex ist, soll für den Operateur intuitiv bleiben.
Zwischen der ersten Idee und dem Einsatz im OP liegen Jahre der Entwicklung, Patentschutz und aufwendige regulatorische Verfahren – und hohe Investitionen. Die europäische Medizinprodukteverordnung MDR hat die Anforderungen an Zulassungen erheblich verschärft. David Geuder beschreibt, wie aus überschaubaren Dokumentationspflichten umfangreiche Evidenz- und Prüfprozesse geworden sind; bei komplexen Systemen entstehen zehntausende Seiten Unterlagen. Das bremse Innovation, sagt er. Zugleich erhöhe es die Eintrittsbarrieren – und damit die Verantwortung der Unternehmen, die in diesem Markt bestehen wollen.

Premiere: David Geuder und Olcayto Gülec stellten im Juni das neueste Gerät aus dem Unternehmen mit dem Namen VIVOS auf der größten nationalen Leitmesse für Augenheilkunde und Augenchirurgie in Nürnberg (DOC) vor.

Premiere: David Geuder und Olcayto Gülec stellten im Juni das neueste Gerät aus dem Unternehmen mit dem Namen VIVOS auf der größten nationalen Leitmesse für Augenheilkunde und Augenchirurgie in Nürnberg (DOC) vor.

Auf der größten nationalen Leitmesse für Augenheilkunde und Augenchirurgie in Nürnberg (DOC) wurde das Gerät nun im Juni präsentiert. Der renommierte Professor Dr. Lars-Olof Hattenbach, Direktor der Augenklinik des Klinikums Ludwigshafen, amtierender Präsident der deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft DOG und ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Netzhaut- und Glaskörperchirurgie, setzte die erste klinische Anwendung der neuen VIVOS kombinierten Phako-Vitrektomie-Plattform als erster Chirurg um und schrieb auf seinem LinkedIn-Account: „Mein erster Eindruck ist sehr positiv. VIVOS ist eine präzise, hochintuitive chirurgische Plattform, deren durchdachte Softwarearchitektur umfangreiche Feinabstimmungen und Anpassungen ermöglicht und so eine nahtlose Integration in unseren täglichen chirurgischen Arbeitsablauf in sehr kurzer Zeit ermöglicht. Am meisten beeindruckte mich die hervorragende intraokulare Druckkontrolle, die sich während der Phakoemulsifikation in außergewöhnlicher Stabilität der vorderen Kammer niederschlug – ein Merkmal, das sofort Vertrauen weckt und die chirurgische Präzision erhöht. Herzlichen Glückwunsch an Geuder zu dieser bemerkenswerten Leistung. Ich freue mich sehr, dass VIVOS nun Schritt für Schritt in Operationssäle in ganz Deutschland eingeführt wird, und freue mich darauf, von den Erfahrungen der Kollegen zu hören, wenn sie mit dieser spannenden neuen Plattform arbeiten.“ Keine Frage: ein Ritterschlag für das Heidelberger Unternehmen. „Was mein Vater vor zehn Jahren auf den Weg brachte, findet nun Anwendung“, kommentiert David Geuder die Brücke zwischen den Generationen.

Name gemeinsam beim Abendessen gefunden

VIVOS trägt dazu noch eine sehr persönliche Geschichte in sich. Der Name entstand nicht in einem Markenworkshop, sondern am Esstisch der Familie. Weil die regulatorische Dokumentation früh eine eindeutige Bezeichnung verlangte, suchten Vater und Sohn gemeinsam nach einem Namen. Sie entschieden sich für VIVOS, das im Lateinischen für das Gefühl steht, „lebendig“ zu sein. Nichts Trefflicheres passt zum Erhalt der Sehkraft. „So machen wir es jetzt“, war schließlich der Satz des Abends. Eine Szene, die viel über das Verhältnis der beiden sagt: Unternehmensgeschichte und Familienleben lassen sich nicht vollständig trennen. Aber beide wissen, wann Nähe trägt und wann klare Rollen nötig sind.
Die Übernahme durch David Geuder war deshalb kein Bruch mit dem Bestehenden, aber auch keine bloße Fortsetzung. Unter seiner Verantwortung, die er sich im Vorstand mit Olcayto Gülec teilt, wurden digitale Prozesse, IT-Systeme und Strukturen neu aufgestellt. Parallel entstand in Heidelberg-Wieblingen ein neuer Produktionsstandort für die Geräte- und Instrumentenfertigung. Für einen Hersteller von Medizinprodukten ist das mehr als betriebliche Modernisierung. Jede Veränderung berührt Qualitätssicherung, Lieferfähigkeit und regulatorische Anforderungen.

Ehrung mit der Theodor-Leber-Medaille

Dass Volker Geuder für seinen Einsatz und seine Haltung Anerkennung gefunden hat, zeigt die Theodor-Leber-Medaille der DOG. Er erhielt sie 2022 gemeinsam mit seinem inzwischen verstorbenen Bruder Hans. Die Auszeichnung gilt als bedeutendste Ehrung der deutschen Ophthalmologie – vergleichbar mit dem Bundesverdienstkreuz, nur eben speziell im Gebiet der Augenheilkunde.
Sie würdigt nicht nur medizintechnische Leistungen, sondern ausdrücklich auch das soziale Engagement der Geuder AG und ihrer Tochterunternehmen. Theodor Leber (1849 – 1917), einer der bedeutenden Augenärzte seiner Zeit, ist übrigens auch ein „Kind“ der heutigen Metropolregion Rhein-Neckar: Er wurde in Karlsruhe geboren und starb in Heidelberg, wo er auch beerdigt wurde. Die Medaille verbindet damit die Geschichte der Stadt, die Geschichte der Fachgesellschaft und die Geschichte eines Familienunternehmens, das von Heidelberg aus in die Welt gewachsen ist.

Heidelbergs Oberbürgermeister Professor Dr. Eckart Würzner (M.) gratuliert David und Volker Geuder zum 75. Bestehen ihres Unternehmens. Bilder: Geuder AG

Heidelbergs Oberbürgermeister Professor Dr. Eckart Würzner (M.) gratuliert David und Volker Geuder zum 75. Bestehen ihres Unternehmens. Bilder: Geuder AG

Zum 75-jährigen Bestehen blickt die Geuder AG selbstbewusst nach vorn. VIVOS steht dabei für den nächsten Technologiesprung, der neue Standort in Heidelberg-Wieblingen schafft Raum für weiteres Wachstum. Der Anspruch bleibt, erste Wahl im OP zu sein – als unabhängiger Anbieter, der nah bei denjenigen bleibt, die seine Produkte anwenden. „Die DNA des Unternehmens“, sagt David Geuder, dürfe sich dabei niemals verändern: „Präzision, Qualität, Made in Germany. Verlässlichkeit.“ Sein Vater nickt zustimmend und nimmt die kleine Schere wieder in die Hand. Sie ist ein Werkzeug für einen winzigen Raum im menschlichen Auge. Und sie erzählt mehr als sieben Jahrzehnte Unternehmertum: von einem Handwerker, der 1951 in Heidelberg begann; von zwei Söhnen, die aus einer Werkstatt ein international agierendes Medizintechnikunternehmen machten; und von einem Enkel, der es in die digitale Zukunft führt. Die Schere schließt sich – präzise, lautlos. Genau so, wie es bei Geuder sein soll.