Er hat viele Freunde, kennt Unternehmer, Ärzte, Sportstars und Künstler – vor allem aber kennt er Menschen. Winfried „Winni“ Rothermel ist einer, der Verbindungen schafft, lange bevor andere das Networking nannten.
Wenn man Winfried Rothermel treffen will, sollte man flexibel sein – und Zeit mitbringen. Nicht nur, weil ein Gespräch mit ihm selten bei der ersten Frage beginnt und schon gar nicht bei der letzten endet. Sondern vor allem, weil ständig etwas oder jemand dazwischenkommt – und das bei ihm jedoch nie störend wirkt, sondern einfach zu seinem Wesen gehört.
Als wir uns in seinem, wie er selbst sagt, „Wohnzimmer“ verabreden, im Restaurant 959 seines Freundes und Wegbegleiters Jürgen B. Harder in Heidelberg, wird mir das innerhalb weniger Minuten klar: Kaum geht die Tür auf, wird Winni begrüßt. Ein kurzer Händedruck hier, ein herzlicher Zuruf dort, ein paar warme Worte – gefühlt kennt jeder Winni. Mehr noch: Er begegnet den Menschen aufmerksam und zugewandt, sieht sie nicht nur mit seinen blauen, leuchtenden Augen – hier die Nachfrage nach dem Befinden der Gattin, dort ein kurzer Austausch zum Geschäftlichen.
Ich bin Winni vor mehr als zwei Jahrzehnten zum ersten Mal begegnet. Das war bei einem Boxkampf von Wladimir Klitschko – wo und wann genau, wissen wir heute beide nicht mehr. Damals kreuzten sich unsere Wege beiläufig am Ring. Das aufgeschlossene, freundliche „Ich bin der Winni“ zur Begrüßung habe ich nie vergessen, auch wenn wir uns danach jahrelang aus den Augen verloren. Eine Charity-Gala brachte uns wieder in Kontakt. Seitdem ist mir immer wieder aufgefallen, dass es Menschen gibt, die Netzwerke haben – und Menschen, die für andere zum Netzwerk werden. Winfried Rothermel gehört definitiv zur zweiten Kategorie.
Wer ihn nur flüchtig erlebt, sieht den Unternehmer, den Strippenzieher, den Mann mit besten Kontakten in Wirtschaft, Medizin, Sport, Kultur und Gesellschaft. Wer ihm aber länger zuhört, begegnet einem anderen Kern: einem zutiefst demütigen, gläubigen, wachen und hilfsbereiten Menschen, der aus kleinen Verhältnissen kommt und nie vergessen hat, wie das ist.
Früh gelernt: Qualität, Verantwortung, Verkauf – und Netzwerk
„Ich bin in einer Bäckerei als jüngster von sieben Kindern aufgewachsen“, erzählt er und ergänzt schmunzelnd: „Da habe ich früh Netzwerke gebraucht, um mich gegen die älteren Geschwister zu behaupten.“ Neben der Bäckerei habe es auch noch Landwirtschaft gegeben, die Mutter sei früh gestorben, jedes Kind habe mit anpacken müssen. Seine Aufgabe: vor der Schule Schneckennudeln backen und verkaufen. „So lernte ich eines recht früh: zu verkaufen und Qualität zu liefern.“

1959: Winfried (vorn) hilft mit seinen Geschwistern Walter und Edeltrud in der Bäckerei. Bild: Privat
Er sagt das ohne Pathos, fast beiläufig. Aber wahrscheinlich liegt in diesem Satz schon viel von dem, was Winni bis heute ausmacht: Er ist ein Macher, keiner für halbe Sachen.
Vielleicht beginnt seine Geschichte genau dort: nicht in den Vorstandsetagen, nicht in den VIP-Logen, nicht an der Seite von Prominenten, sondern frühmorgens mit Backblechen, Verantwortung und dem Wissen, dass „Ofenkrüppel unter den Schneckennudeln“ bei den kritischen älteren Damen vor acht Uhr keine Chance hatten.
Später blieb er nicht in der Bäckerei, sondern lernte Schriftsetzer, qualifizierte sich in der Abendschule zum Schriftsetzer- und Buchdruckermeister, ging in den Verkauf und baute Unternehmen mit seinem damaligen Partner Kurt Weber auf. Aus einer Idee wurde eine Firmengruppe, aus klassischem Druck ein breit aufgestelltes mittelständisches Familienunternehmen mit Druckereien in München, Leimen und Heidelberg, dann abcVerlag und abcPremium – innovativ, international, digital, zugleich tief in der Region verwurzelt. Tochter Natalie Rothermel und Schwiegersohn Daniel Faulhaber führen die Firmen heute weiter, Winni steht nach eigenen Worten beratend zur Seite. „Ich habe einfach Lust am Arbeiten“, sagt er und lächelt. „Neues zu entdecken, macht mir Spaß.“ Vielleicht ist auch Teil sein Jungbrunnen-Geheimnis.

Winni ist stolz auf Tochter Natalie, die in seine Fußstapfen getreten ist. Das Foto stammt aus dem Jahr 2014. Bild: Privat
Und doch wäre es viel zu wenig, Winni Rothermel „nur“ als erfolgreichen Unternehmer zu beschreiben. Denn sein Talent liegt darin, die richtigen Menschen zur richtigen Zeit zusammenzubringen. Sein schönster Satz darüber lautet: „Unsichtbare Verbindungen sind oft stärker als sichtbare.“ Je länger ich mit ihm spreche, desto mehr verstehe ich, dass das keine Floskel ist, sondern eine Lebenshaltung.
Kleine Momente mit großer Wirkung
Diese Haltung zeigt sich in den großen Geschichten – und in den ganz kleinen. Bei unserem Treffen erzählt mir Winni von einem jüngsten Kurztrip nach St. Tropez, wo er seinen langjährigen Künstlerfreund Stefan Szczesny (75. Geburtstag) besuchte. Was ihm von dieser Reise am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben ist, war nicht die Riviera-Kulisse des Jetset-Ortes, die VIPs bei der Geburtstagsparty, sondern eine ältere halbblinde Dame am Straßenrand, unsicher im Verkehrslärm zwischen parkenden Autos stand. Er ging hin und half ihr über die Straße. Einfach so. Ohne Zögern.
Als er mir davon erzählt, merke ich, wie sehr ihn diese Szene beschäftigt. Ich denke, solche Geschichten gibt es noch zuhauf, über die nie jemand geschrieben hat. So nebenbei erzählt er dann von Sebastian, den er mit Szczesny verbunden hat. Daraus hat sich inzwischen eine eigene Kunstform entwickelt, denn Szczesny bemalt die Surfbretter des Big-Wave-Surfers und Weltmeisters Sebastian Steudtner.
„Wenn ich früher gesagt habe, dass meine Familie vor dem Unternehmen kommt, hätte meine Frau das eher nicht gesagt“, meint Winni. Gerade weil er viel unterwegs war und ist, gibt ihm seine Familie Halt – wie Wurzeln einem Baum.
Wenn Kontakte zum Rettungsanker werden
Während wir den Gesprächsfaden wieder aufnehmen, klingelt immer mal wieder sein Handy. Menschen brauchen Rat, Unterstützung, Kontakte. Ein Anrufer sucht dringend einen Reha-Platz für seine kranke Frau. Winni hört zu, überlegt, fragt nach den Befunden und leitet danach mit einem einzigen gezielten Anruf alles in die Wege. Ich habe selbst erlebt, wie stark seine Verbindungen gerade im medizinischen Bereich sind. Er nennt dieses Netzwerk nüchtern „Second Opinion“ oder „Notfall-Netzwerk“. Für viele Menschen ist es ein Rettungsanker. „Egal, ob Frauenklinik, Orthopädie, oder Onkologie – ich versuche immer zu helfen“, sagt Winni und ergänzt: „Dieses Netzwerk habe ich in erster Linie meinem lieben guten Freund Dietmar Hopp zu verdanken!“

Drei Legenden: Franz Beckenbauer (†, l.), Dietmar Hopp und Winni Rothermel (r.). Das Foto entstand am Rande des Kaiser-Special-Cups im Jahr 2001. Bild: abcVerlag/Ellen Klose
Mit Dietmar Hopp spielte er schon in den späten 1960er-Jahren Tennis und später Golf in seiner Heimat Östringen, lange bevor SAP zu dem Weltkonzern wurde, den heute jeder kennt. Winni Rothermel begleitet die Anfänge der Adler, den Bundesligisten TSG Hoffenheim seit Kreisliga-Zeiten, engagiert sich bei den Rhein-Neckar Löwen und im Golfclub St. Leon-Rot. Als Hopp ihm einst sagte, er baue nun einen eigenen Golfplatz, habe Winni für sich gedacht, jetzt sei es um seinen Freund geschehen. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mein Freund so viel Geld hat!“ Dass daraus einer der renommiertesten Golfclubs Deutschlands wurde, gehört zu den vielen Kapiteln, die man bei ihm zwischen Schmunzeln und Staunen hört.
Überhaupt: diese Mischung aus Leichtigkeit, Energie und Ernsthaftigkeit. Winni wird im Juli 80 – und man muss diesen Satz zweimal lesen, um ihn zu glauben. Er schwimmt, joggt, geht regelmäßig in sein Fitnessstudio und spielt ab und zu Golf mit seinem langjährigen Freund Rainer Kaiser. Er ist topfit – und unermüdlich.
Wenn ich ihn erlebe, habe ich den Eindruck, jemandem gegenüberzusitzen, der sich längst für das nächste Projekt interessiert. „Ich bin schnell bei der nächsten Herausforderung“, gibt er diesbezüglich zu. Wenn etwas erfolgreich läuft, geht’s auf zum nächsten; funktioniert etwas gar nicht, genauso. So hat er vor mehr als zehn Jahren das Rhein-Neckar-Netzwerk Merito mit ins Leben gerufen, das bis heute regelmäßig Führungskräfte und Entscheider vereint, die gute Zwecke unterstützen.
Getrieben von Energie – und vom Glauben
Winnis Projekte sind zahlreich und vielfältig. Er ist neugierig und mutig. Vielleicht hilft ihm dabei auch sein Glaube. Er ist katholisch erzogen und spricht offen über Dinge, die nicht in Menschenhand liegen. Da ist eine Dankbarkeit, die in seinen Worten mitschwingt – wohl wissend, dass Höhen im Leben nicht selbstverständlich sind und Tiefen ihren Platz haben, als Prüfungen, als Lehrmeister, vielleicht auch als Teil eines größeren Ganzen.
Der Krebstod seines Sohnes im jungen Alter von zehn Jahren gehörte dabei zu den schwersten Prüfungen für die Familie. Winni erzählt voller Stolz von seiner Tochter Natalie und seinem Enkel Christian. Dann von zwei Papstaudienzen bei Johannes Paul II. und Benedikt XVI., die ihn nachhaltig beeindruckt haben. Ob er Papst Leo XIV. auch mal treffen möchte? „Mit dem bin ich noch nicht so im Reinen“, sagt er. „Aber wer weiß: Vielleicht schenkt es mir ja jemand zum Geburtstag“, legt er mit Witz und Charme nach.
„Was machst du eigentlich gegen Stress“, fragt Winni mich plötzlich. Während ich noch nach einer brauchbaren Antwort suche, hat er seine längst gefunden: Meditation. Er zeigt mir spirituelle Apps auf seinem Handy, mit denen er in den Tag startet – die ihn erden, ordnen, vielleicht sogar schützen. Es sind Rituale wie diese, die ihm Halt geben und ihn tragen – auch für Begegnungen, die alles andere als still sind, nämlich mit Persönlichkeiten, die man sonst eher aus Schlagzeilen kennt.
Zwischen Sportgrößen und Lebensfreunden
Neben Dietmar Hopp taucht auch Boris Becker in seinen illustren Erzählungen auf. 1985, als Becker in Wimbledon Tennisgeschichte schrieb, war Winni elektrisiert wie viele andere auch. Er lernte über Helmut Fischer Rudolf Dassler kennen und arbeitete fortan viel für Puma und für die Marke „BB“. 1990 gründete er mit Walter Beckenbauer eine Firma und lernte dessen Bruder, Franz Beckenbauer, kennen. „Mit Franz begann eine große tiefe Freundschaft, die über das Normale hinaus geht und den Tod überdauert“, beschreibt Winni. Dass er 2001 beim Champions-League-Triumph des FC Bayern München in Mailand als eine Art Glücksbringer dabei war, erzählt er nicht, um sich wichtig zu machen. Im Gegenteil. Bei Winni Rothermel klingen selbst die größten Namen nie nach Selbstinszenierung, sondern eher nach dankbarer Verwunderung darüber, wohin einen das Leben tragen kann – und das alles nur, „wenn man vernetzt denken kann und wenn man im richtigen Moment am richtigen Ort ist“.

Der Golfplatz bleibt ein Terrain zum Netzwerken, auch für Winni Rothermel (hier mit Driver). Bild: Privat
Das führte ihn auch als Business-Eagles-Club-Mitglied zum Charity-Club „The Eagles“. „Mein Präsident, der ,Fleschi‘, hat mich dazu geholt.“ Ski-Legende Christian Neureuther und die ehemalige Tennisspielerin Anke Huber sind heute Präsidenten des deutschlandweit agierenden Vereins, in dem sich international bekannte Unternehmer, Schauspieler, Sportler und Musiker für soziale Zwecke engagieren.
Besonders eindrucksvoll finde ich, wie selbstverständlich sich bei Winni Rothermel Welten verbinden, die bei anderen fein säuberlich getrennt nebeneinander stehen: Mittelstand und Weltstars, Glaube und Geschäft, Kunst und Technik, Sport und Medizin. Dass er in den Stiftungsrat der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer berufen wurde, oder dass er in verschiedenen Aufsichtsratsgremien sitzt oder gesessen hat. Er war und ist zum Beispiel bei der SNP AG, MAS AG, Geuder AG und der REALTECH AG tätig.
Und: Winni kennt Wladimir Klitschko nicht nur als prominenten Boxweltmeister, sondern als verlässlichen guten Freund – „als sehr guten Freund!“ Kennengelernt haben sie sich auf dem Golfplatz, zu einer Zeit, als der Hype um den ukrainischen Olympiasieger von 1996 etwas abgeebbt war.
Wladimir Klitschko, Kunst und kuriose Geschichten
„Ich habe mit Wladimir Golf gespielt in St. Leon-Rot und ihm dabei von der SAP Arena erzählt, die sich im Bau befand. Wladimir war interessiert und wir sind zusammen zur Baustelle der SAP Arena nach Mannheim gefahren. Ich habe ihm gesagt: Hier trägst du deinen nächsten WM-Kampf aus“, erzählt Winni über die Ereignisse von 2005. Gemeinsam mit Unternehmerfreund Jürgen B. Harder und natürlich SAP Arena- und Adler-Geschäftsführer Daniel Hopp wurde der Weltmeisterschaftskampf zwischen Klitschko und Chris Byrd 2006 eingefädelt – ein Abend, der nicht nur Klitschkos Karriere im Schwergewichtsboxen neuen Schub gab, sondern auch dem Boxsport in Deutschland und der SAP Arena als Bühne für Weltstars. Weitere Kämpfe in Mannheim folgten.

Dieses schöne Bild entstand 2019 bei der Wahl „Drucker des Jahres“: Wladimir Klitschko hielt die Laudatio auf seinen Freund Winni Rothermel, der für sein Lebenswerk geehrt wurde. Bild: Oberauer GMBH/Hojabr Riahi
Trotz des Ruhmes von Wladimir und seinem Bruder Vitali Klitschko zählt für Winni vor allem das Menschliche. „Vor einem der großen Kämpfe in einer ausverkauften Arena kam Wladimir zu mir und fragte als Erstes, wie es meinem Enkel Christian gehe, den er ein paar Jahre zuvor kennengelernt hatte – das muss man sich mal vorstellen“, ist er noch heute bewegt von dieser Geste. Kein Wunder also, dass ein gemeinsames Foto mit Wladimir Klitschko den Hintergrund von Winnis Handy ziert und Klitschko 2019 die Laudatio auf ihn hielt, als er für sein Lebenswerk als „Drucker des Jahres“ in Düsseldorf geehrt wurde. Der Kontakt zu den Klitschkos besteht bis heute, und Winni hat gerade in den ersten Tagen des Ukrainekrieges großartige Unterstützung organisiert, weshalb er auch vom Oberbürgermeister von Kiew (Vitali Klitschko) ausgezeichnet wurde. Neben den Klitschkos hat er auch mit Musiker Rea Garvey sehr viele Projekte für die Ukraine unterstützt.
Eine langjährige Freundschaft verbindet Winni auch mit dem Internisten Professor Dr. Curt Diehm, dessen aktuelles Buch „Gesund alt werden – das Longevity-Projekt“ im abcVerlag erschien. Eine Geschichte, die Winni mir erzählt, klingt fast wie eine Filmszene: Bei einem Rückflug aus Portugal saß, zusammengekauert direkt am Eingang zum Flugzeug, eine junge Frau und weinte, weil sie wegen ihres Gesundheitszustands vom Kapitän nicht mitgenommen werden sollte. Winni sprach sie an, holte Diehm dazu, und beide übernahmen die Verantwortung, damit die Frau mitfliegen durfte. Während des Flugs kollabierte sie. Diehm versorgte sie auf dem Boden im Mittelgang. Winni hielt die Infusionen und Medikamente über ihr. „Alle dachten, ich bin der Arzt“, erzählt er. Es ging Gottseidank gut aus. Die Fluggesellschaft schickte ihm später Champagner – den er selbstverständlich an seinen Freund weiterleitete. Auch das ist eine typische Winni-Geschichte: dramatisch, menschlich, fast absurd – und am Ende ganz ohne Eitelkeit erzählt.

Haben schon so einiges zusammen erlebt: Professor Dr. Curt Diehm und Winni Rothermel. Diehms aktuelles Buch ist im abcVerlag erschienen. Bild: Privat
Zu den kaum glaublichen Episoden gehören auch jene, in denen er den Wein des französischen Schauspielers Gérard Depardieu an Lufthansa verkaufte oder der deutschen Designerin Dorothee Schumacher durch seine Empfehlung, sich selbst mit ihrer Mode fotografieren zu lassen, zum Durchbruch verhalf. Ein Freund hatte plötzlich 500 Reisekoffer herumstehen, weil ein Geschäftsmodell nicht wie geplant funktionierte. „Die habe ich dann der damaligen TUI-Chefin angeboten. Sie kaufte die Koffer und verkaufte sie zusammen mit Urlaubsreisen“, erzählt Winni. Er arbeitete auch für ein Pharmaunternehmen, das unter anderem blaue rautenförmige Tabletten herstellte. Wenn er nach Frankfurt fuhr, bat ihn der Restaurantchef Mario seines dortigen Stammitalieners um spezielle „Produktproben“ von Winnis Kunden: „Ich habe ihm immer ,was‘ mitgebracht.“
Ich verbinde gerne Menschen, agiere aber lieber im Hintergrund.
Mein Wirken ist ein stilles, kein lautes. Insofern ist dieser Artikel über mich etwas, was mir wirklich nicht leichtfällt. Aber ich habe mir gesagt: Zum 80. lasse ich das mal zu.Winni Rothermel
(… und die Autorin dieses Artikels ist sehr dankbar für diesen Schritt von Winni)
Und wieder staune ich beim Zuhören über seine Offenheit. Für Winni scheint eine Begegnung nie nur nützlich zu sein. Sie ist zuerst einmal Begegnung. Das trifft auch auf sein „verrücktestes“ Netzwerk zu, wie Winni die Künstlerclique nennt, zu der etwa Stefan Szczesny, Elvira Bach, Heinz Mack, Rainer Fetting, Alexander Höller, Georg Glatzel oder Stefan Strumbel und viele mehr gehören. Künstlerisch beraten hat ihn sein Freund und Mentor Thomas Veit, einst Banker und bedeutender Kunstsammler der Deutschen Bank. Mittlerweile zählt auch „Panikrocker“ Udo Lindenberg dazu, der für die Auktion von Winnis Charity-Gala 2025 selbst gemalte Bilder spendierte.
Netzwerk für den guten Zweck
Apropos Gutes tun: Mit der neu gegründeten Heidelberg Charity gGmbH hat dieses Engagement nun eine transparente Rechtsform bekommen. Für Winni Rothermel ist das ein Herzensprojekt im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Veranstaltungen wie dem „VIP Charity Konzert“ am 27. Juli 2026 in der Stadthalle Heidelberg und der „Herz-GALA“ am 13. November 2026 im Palazzo Mannheim werden Spenden für die Heidelberger Herzstiftung mit Professor Dr. Norbert Frey, die Thorax-Stiftung mit Professor Dr. Felix Herth und die Chirurgie-Stiftung mit Professor Dr. Christoph Michalski, der Uni Heidelberg gesammelt.

Charity in Concert 2025 in Heidelberg: Die Gastgeber Professor Dr. Christoph Michalski (Stiftung Chirurgie), Professor Dr. Norbert Frey (Heidelberger Herzstiftung), Moderatorin Franziska van Almsick, Professor Dr. Felix Herth (Thorax-Stiftung) und Winni Rothermel mit Enkel Christian können am Ende 300.000 Euro in die genannten Stiftungen fließen lassen. Bild: Cheesy
Gemeinsam mit namhaften Persönlichkeiten aus Medizin, Wirtschaft und Gesellschaft hat er diese Initiative auf den Weg gebracht – darunter Professor Dr. Hugo A. Katus, Gerd Chrzanowski von der Schwarz-Gruppe, Thomas Saueressig von SAP, Jürgen B. Harder von Harder&Partner, der frühere Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, Tobias Wrzesinski von den DFB-Stiftungen sowie Food-Creatorin Saliha „Sally“ Özcan als Schirmherrin und Daniel Faulhaber. Botschafter sind Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo, Deutschlands erfolgreichster Tischtennisprofi Timo Boll, Box-Schwergewichtshoffnung Emanuel Odiase und Unternehmer Timo Stibitz von der TS Group. Auch hier geht es ihm nicht um Bühne, sondern um Wirkung. Sein Netzwerk zusammen mit Franziska van Almsick soll kein Selbstzweck sein. Es soll helfen, seinen Einsatz für Forschung, Bildung und Medizin in der Rhein-Neckar-Region gemeinsam mit seinen Mitstreitern voranzubringen.

Großer Erfolg: Bei der Herz-Gala 2025 im Palazzo kamen 500.000 Euro für die Heidelberger Herzstiftung zusammen. Darüber freuen sich die Gastgeber und Unterstützer Jürgen B. Harder (v. l.), Thomas Saueressig, Gerd Chrzanowski, Sally Özcan, Winni Rothermel und Professor Dr. Norbert Frey. Bild: Cheesy
Einer, für den Menschen zählen
Als ich an diesem Tag das Restaurant 959 wieder verlasse – Winni ist schon wieder unterwegs als ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht – habe ich nicht das Gefühl, einen Mann getroffen zu haben, der sich auf sein Lebenswerk zurücklehnt. Sondern eher einen, der jeden neuen Tag als Gelegenheit versteht, noch etwas Gutes zu tun. Einen, der klein angefangen hat, in einer Backstube, frühmorgens vor der Schule. Einen, der gelernt hat, dass Qualität zählt, Menschen zählen, Vertrauen zählt. Und einen, der sich bei allem, was er erreicht hat, etwas Entscheidendes bewahrt hat: Demut.
Winfried „Winni“ Rothermel ist kurz vor seinem 80. Geburtstag vieles zugleich – allen voran Netzwerker, Möglichmacher, Sportfreund, Familienmensch, gläubiger Katholik, Freund von Künstlern, Ärzten, Managern – und eine Persönlichkeit mit Unternehmergeist. Vor allem aber ist er jemand, der da ist, wenn man ihn braucht.
Vielleicht ist das am Ende die schönste Definition einer Legende.
