Nadine Hartkopp wurde als erste Frau als stellvertretendes Mitglied in den Vorstand der Sparkasse Rhein Neckar Nord berufen. Sie gilt als Vorbild für eine neue Generation von Bankerinnen und Bankern, die Wandel als Chance begreifen und dabei den Menschen nicht aus dem Blick verlieren. Ein Porträt.
Zwischen dem Duft von Heu, dem leisen Schnauben der Pferde und dem rhythmischen Klackern von Hufen auf dem Stallboden wirkt Nadine Hartkopp in ihrem Element – in ihrem zweiten Element. Der Reitstall ist für die 37-jährige stellvertretende Vorstandsfrau der Sparkasse Rhein Neckar Nord nicht nur ein Rückzugsort, sondern gleichsam ein Spiegel ihrer Persönlichkeit: Disziplin, Durchhaltevermögen und Leidenschaft prägen sowohl ihre Freizeit im Sattel als auch ihren beruflichen Werdegang.
„Carthino“ kommt sofort zur Stalltür, wenn er Nadine Hartkopp kommen hört. Er ist ein schönes und stolzes Oldenburger Springpferd. Und er hat durchaus schelmische Züge genauso wie einen eigenen, starken Willen. Kurzum: Pferd und Halterin bilden eine harmonische Symbiose – oder wie es Nadine Hartkopp beschreibt: „Wir sind Partner in Crime.“
Schon seit ihrer Kindheit ist die sportliche Frau begeisterte Reiterin und feiert bis heute Erfolge im Springreiten. Diese Erfolge gelingen ihr, weil sie und ihr Pferd perfekt aufeinander eingespielt sind. Auch im Berufsleben gibt es Parallelen: Es ist wichtig, ständig in Bewegung zu bleiben und mit anderen auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Gerade in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels und der Digitalisierung ergeben sich dadurch neue Chancen für Banken und Sparkassen. Dabei ist es entscheidend, die Gesamtstruktur im Blick zu behalten, Entscheidungen zu treffen und Kollegen wie Kunden ernst zu nehmen, einzubeziehen und aktiv am Prozess teilhaben zu lassen.
Vom Turnboden ins Führungsgremium
Es ist ein Gespräch mit vielen Facetten, das auf dem Wunsch der Autorin dieser Zeilen außerhalb des gewohnten Arbeitsumfeldes von Nadine Hartkopp stattfindet, an einem Ort, der zu ihr ebenso gehört wie die Sparkasse, eben auf der Stallanlage in Viernheim, in der sich „Carthino“ und damit auch seine Halterin bestens aufgehoben fühlen. Schnell wird dabei klar, dass hier eine starke Frau steht, die weiß, woher sie kommt, wohin sie gehört und wohin sie möchte. Der Erfolg gibt ihr recht.

Nadine Hartkopp mit ihrem „Partner in Crime“, „Carthino“. Bild: Katja Bauroth
Schon als Kind war Nadine Hartkopp am Erfolg orientiert, zum Beispiel als Turnerin in ihrem Heimatverein SVG Nieder-Liebersbach. Sie sammelte bis zur Bundesebene Titel. „Als Sportakrobatin habe ich früh gelernt, dass man nur mit Ausdauer und konsequentem Training an die Spitze kommt“, erinnert sie sich. Auch damals hatte sie eine verantwortungsvolle Rolle – im Duo wurde ihr der kraftvolle Unterpart, sozusagen als Halterin für sportakrobatische Figuren zuteil. Das Äquivalent zum Berufsleben liegt für sie auf der Hand: „Ob im Sport oder im Job – es geht darum, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen, Rückschläge auszuhalten und trotzdem an sich zu glauben.“ Diese Haltung hat sie geprägt und ihr den Weg in die Führungsetagen der Sparkassenwelt geebnet.
Eine Karriere mit Vorbildcharakter
Nadine Hartkopp ist seit 2004 Teil der Sparkassen-Organisation. Nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau bildete sie sich kontinuierlich weiter, absolvierte den Sparkassenfachwirt, den Sparkassenbetriebswirt und zuletzt ein Managementprogramm an der Hochschule für Finanzwirtschaft und Management in Bonn. Seit Oktober 2024 ist sie die erste Frau im erweiterten Vorstand der Sparkasse Rhein Neckar Nord – ein Meilenstein mit Blick auf weibliche Führungskräfte für die Institution, aber auch für sie persönlich. „Ich freue mich sehr über diese neue Rolle und die Möglichkeit, unsere Sparkasse auf strategischer Ebene weiter zu stärken“, sagt sie. Die Berufung sieht sie als „besondere Ehre“ und hofft, „dass mein Werdegang auch andere Frauen ermutigt, ihre Karriereziele in der Finanzbranche konsequent zu verfolgen“.
Mentorin und Mutmacherin
Ihr Engagement für mehr Diversität und Chancengleichheit ist kein Lippenbekenntnis: Von 2017 bis 2022 setzte sie sich als Projektleiterin im unternehmensinternen Programm „Frauen in Karriere“ für weiblichen Führungsnachwuchs ein. Heute agiert sie im Nachfolgeprojekt S. I. E. (stark, inspirierend, erfolgreich) als Mentorin. „Chancengleichheit bedeutet für mich, einen Rahmen zu schaffen, in dem alle die gleichen Möglichkeiten haben“, betont sie. Die Arbeit in einem gemischten Führungsteam empfindet Nadine Hartkopp als bereichernd: „Wir ergänzen uns, fordern uns gegenseitig heraus und profitieren von unterschiedlichen Perspektiven.“ Ein Konkurrenz-Denken zwischen Frauen und Männern sieht sie auf Nachfrage nicht. Studien wie „Diversity Matters Even More“ von McKinsey geben ihr Recht: Unternehmen mit vielfältigen Führungsteams sind wirtschaftlich erfolgreicher.
Bankenwelt im Wandel – und der Blick in die Glaskugel
Im Gespräch am Reitstall bleiben die Veränderungen in der Bankenwelt nicht außen vor. Digitalisierung, Regulatorik und veränderte Kundenbedürfnisse fordern neue Antworten. „Natürlich schauen wir immer wieder in die sprichwörtliche Glaskugel, um Trends frühzeitig zu erkennen“, sagt sie. Doch eines ist dabei für sie klar: „Bei aller Zukunftsorientierung darf der Kunde nie aus dem Blickfeld geraten. Die persönliche Beziehung bleibt unser größtes Pfund.“ Daher kann Nadine Hartkopp sich eine Zukunft ganz ohne direkten Kundenkontakt in Filialen nicht vorstellen. Natürlich ändern sich die Bedürfnisse und die Strukturen werden dahingehend angepasst, etwa in Sachen Erreichbarkeit an sieben Tagen rund um die Uhr. Das ist nur ein kleiner Punkt. Ihr Team des Bereichs „Gesamtbanksteuerung“, das sie seit diesem Jahr leitet, verantwortet unter anderem die Umsetzung und Überwachung wichtiger regulatorischer Vorgaben – ein andauernder Balanceakt zwischen Innovation und Stabilität.
Die Werte, die Nadine Hartkopp im Sport verinnerlicht hat, prägen auch ihren Führungsstil. Es geht um Respekt, um Miteinander und um die Fähigkeit, Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Diese Prinzipien, die sie im Turn- und Reitsport verinnerlicht hat, prägen ihren beruflichen Alltag und ihre strategische Herangehensweise. Hartkopp: „Führungskräfte – egal, welchen Geschlechts – sollten vor allem strategisch gut aufgestellt sein.“
Sie betont zudem, dass Durchhaltevermögen der Schlüssel zum Erfolg ist – sowohl im Sport als auch im Berufsleben. Für sie bedeutet strategische Führung, nicht nur Ziele zu setzen, sondern auch konsequent an deren Umsetzung zu arbeiten und dabei das Team von Beginn an einzubinden. Die 37-Jährige ermutigt insbesondere Nachwuchskräfte, Verantwortung zu übernehmen: „Wartet nicht auf die perfekte Gelegenheit. Verantwortung zu übernehmen bedeutet, zu wachsen – und es lohnt sich!“ Damit setzt Nadine Hartkopp ein klares Zeichen für eine moderne, zukunftsorientierte Führungskultur, die auf Eigeninitiative, Mut und strategischer Weitsicht basiert
Von Ausgleich, Inspiration und Mut
Der Reitsport ist für Nadine Hartkopp mehr als ein Hobby. „Im Sattel finde ich die nötige Ruhe, um Kraft zu tanken und neue Perspektiven zu gewinnen“, sagt sie und verrät, dass ein früherer Berufswunsch darin bestand, der Reiterstaffel der Polizei anzugehören. Heute füllt sie einen Großteil ihrer Freizeit mit dieser Leidenschaft aus. Und die Arbeit mit Pferden lehrt die Finanzexpertin immer wieder Geduld, Empathie und das richtige Maß an Führung – Eigenschaften, die sie eben auch im Berufsalltag einsetzt. „Ein Pferd lässt sich nicht mit Druck führen, sondern mit Vertrauen und Klarheit.“ Zwei Attribute, die auch ihr Führungshandeln bestimmen.
Denn mit diesem Spirit sitzt Nadine Hartkopp nicht nur im Sattel, sondern füllt damit auch ihre Funktion in der Sparkasse Rhein Neckar Nord aus. Ihr Rat an alle, die einen ähnlichen Weg gehen wollen: „Seid mutig, bleibt dran und glaubt an euch – im Sport wie im Beruf.“ Da bleibt selbst ihrem „Carthino“ nur ein zustimmendes Schnauben.
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